Über die Oberaargauer Krimireihe

Die Idee zu meiner Oberaargauer Krimireihe entstand aus meiner engen Verbundenheit mit der Region. Ich habe mein ganzes Leben im Oberaargau verbracht, deshalb lag es für mich nahe, diesen Landstrich zum Schauplatz meiner Kriminalromane zu machen. Gleichzeitig hatte ich immer das Gefühl, dass der Oberaargau im Vergleich zu anderen Regionen des Kantons Bern etwas im Schatten steht. Während das Berner Oberland, das Emmental oder das Seeland weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt sind, erhält der Oberaargau trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung und seiner reichen Geschichte oft weniger Aufmerksamkeit. Dabei besitzt die Region viele spannende Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden. Gerade in einer Zeit, in der Regionalkrimis grossen Zuspruch erfahren, finde ich, dass auch der Oberaargau eine eigene literarische Bühne verdient.

 

Der Ausgangspunkt meiner Krimireihe war zunächst keine Ermittlerfigur, sondern eine Idee. In einer Fernsehepisode sah ich die Geschichte einer vermissten Frau. Ein Dorfbewohner wurde verdächtigt, von der Gemeinschaft verurteilt und beging schliesslich Selbstmord. Die Frau wurde später tot aufgefunden. Mich beschäftigte damals die Frage, was geschehen würde, wenn die Frau plötzlich lebend zurückkehren würde. Wie würden die Angehörigen des zu Unrecht Beschuldigten mit dieser Situation umgehen? Diese Überlegung bildete den Kern meines ersten Kriminalromans.

 

Die Figur des Urspeter Hugi entstand erst später. Ursprünglich stand ein Lehrer im Mittelpunkt der Geschichte, daneben spielte auch Stefania Russo eine wichtige Rolle. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass ich keinen klassischen Ermittlerroman schreiben wollte. Die langen Teamsitzungen und die oft sehr technischen Aspekte der Polizeiarbeit interessieren mich weniger als die Menschen und ihre Motive. Deshalb schuf ich mit Urspeter Hugi einen pensionierten Ermittler, der ausserhalb offizieller Strukturen steht und auf eigene Faust Nachforschungen anstellen kann.

 

Mir war dabei nie wichtig, einen völlig neuartigen Ermittler zu erschaffen. In der Kriminalliteratur gibt es mittlerweile unzählige Ermittlerfiguren. Entscheidend war für mich vielmehr, dass Hugi glaubwürdig in den Oberaargau passt und genügend Entwicklungspotenzial besitzt. Die Leserinnen und Leser sollen ihn nicht nur als Falllöser erleben, sondern auch als Menschen kennenlernen. Deshalb verfügt er über ein reiches Umfeld mit Familie, Freunden, ehemaligen Kollegen und weiteren Bezugspersonen. Dieses Beziehungsnetz erlaubt es mir, neben den Kriminalfällen immer wieder auch persönliche Geschichten zu erzählen. Wichtig ist mir, dass Hugi bodenständig bleibt, mit beiden Beinen im Leben steht und dass seine Gedanken und Gefühle nachvollziehbar sind.

 

Die Menschen stehen überhaupt im Zentrum meiner Romane. Ein Krimi lebt nicht allein vom Verbrechen, sondern von den Figuren, die ihn bevölkern. Mich interessieren die Spannungen zwischen Menschen, ihre Geheimnisse, Konflikte und Beziehungen. Gleichzeitig verlangt die Reihe eine enge Verankerung in der Region. Die Themen meiner Bücher sollen eng mit dem Oberaargau verbunden sein. So beschäftigte ich mich beispielsweise mit der Geschichte der Porzellanfabrik oder im nächsten Band mit dem Schloss Thunstetten. Oft bildet ein solcher Ort oder ein regionales Thema den Ausgangspunkt meiner Arbeit. Ich recherchiere intensiv, tauche in die Geschichte eines Schauplatzes ein und entwickle daraus den Plot.

 

Dabei lege ich grossen Wert auf Authentizität. Die Leserinnen und Leser schätzen es, vertraute Orte wiederzuerkennen und sich die Handlung bildlich vorstellen zu können. Deshalb versuche ich, Schauplätze möglichst originalgetreu darzustellen. Nur wenn es der Handlung dient oder Persönlichkeitsrechte gewahrt werden müssen, erlaube ich mir gewisse künstlerische Freiheiten.

 

Natürlich werde ich immer wieder gefragt, welche realen Personen als Vorbilder für einzelne Figuren gedient haben. Manchmal sind solche Bezüge durchaus beabsichtigt, manchmal entstehen sie nur in der Vorstellung der Leserinnen und Leser. In diesen Fällen schweige ich gerne und beobachte mit Vergnügen die Spekulationen. Amüsant finde ich auch, wenn mich Leser auf Details ansprechen, die ich längst vergessen habe, weil ich gedanklich bereits beim nächsten oder sogar übernächsten Roman bin.

 

Besonders stolz bin ich auf den zweiten Band der Reihe, das „Oberaargauer Labyrinth“. Dort ist es mir gelungen, verschiedene Ebenen miteinander zu verbinden. Die Geschichte verknüpft Fragen der Arealnutzung mit dem Thema der nationalsozialistischen Raubkunst. Der grosse erzählerische Bogen ist für mein Empfinden sogar besser geworden, als ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte.

 

Wenn ich auf meine Krimireihe blicke, dann ist mein grösster Wunsch letztlich ein einfacher. Ich möchte meinen Leserinnen und Lesern spannende, unterhaltsame und anregende Lesestunden schenken. Natürlich freue ich mich, wenn sie dabei etwas über den Oberaargau erfahren oder mit Urspeter Hugi und seinen Weggefährten mitfiebern. Der grösste Lohn für mich bleibt jedoch die Gewissheit, dass eine Geschichte Menschen für einige Stunden in ihren Bann ziehen und ihnen Freude bereiten konnte.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0