Übers Schreiben

Schreiben ist für mich in erster Linie ein Hobby und eine Leidenschaft, die mich schon seit meiner Kindheit begleitet. Bereits in der ersten Klasse begann ich, eigene Geschichten zu verfassen. Damals las ich bereits Bücher und war fasziniert von der Vorstellung, selbst Geschichten erfinden zu können. Also begann ich, meine Fantasien niederzuschreiben. Zunächst orientierte ich mich an dem, was ich selbst gerne las. Nach den Romanen von Karl May schrieb ich Indianergeschichten, später versuchte ich mich an Krimis im Stil von Agatha Christie und an Fantasygeschichten, die von Werken wie „Der Herr der Ringe“ inspiriert waren. Rückblickend sind von diesen frühen Motiven allerdings nur wenige Spuren geblieben.

Mit der Zeit entwickelte ich eigene Themen und Interessen. Einen entscheidenden Einfluss hatte meine Liebe zur klassischen Musik, die in der Literatur oft nur eine Nebenrolle spielt. Bereits mit Mitte zwanzig entstand die Idee zu einem Roman über einen Dirigenten, dessen Aufstieg und Fall erzählt wird. Im Zentrum stand dabei das Thema Macht. Diese Geschichte begleitete mich über Jahrzehnte hinweg, bis ich sie schliesslich mehr als fünfundzwanzig Jahre später zu Ende schrieb. Daraus entstand mein erster Roman „Pultstar“, auf den ich bis heute besonders stolz bin. Eine wichtige Rolle spielte dabei eine Begegnung mit dem Dirigenten Mario Venzago, der mir mit seinen Erzählungen und Anekdoten einen faszinierenden Einblick in die Welt der klassischen Musik ermöglichte.

Mein Schreiben vergleiche ich gerne mit einer Reise. Es gibt einen festen Ausgangspunkt und ein klares Ziel, das ich erreichen möchte. Den Weg dorthin plane ich zwar grob, doch während der Reise ergeben sich oft neue Möglichkeiten. Manchmal führen Umwege oder Sackgassen zu besseren Lösungen als die ursprünglich geplante Route. Das Ziel bleibt jedoch stets dasselbe. In dieser Hinsicht bewundere ich den Schriftsteller John Irving, der nach eigener Aussage die letzten Sätze seiner Romane zuerst schreibt und dann konsequent darauf hinarbeitet.

Ideen für Geschichten entstehen bei mir häufig aus Beobachtungen des Alltags. Ich frage mich, wie eine Situation weitergehen könnte oder welche Lebensgeschichte hinter einem Menschen steckt. Deshalb bin ich überzeugt, dass Autorinnen und Autoren vor allem gute Beobachter sein müssen. Gleichzeitig braucht es Fantasie, um aus diesen Beobachtungen etwas Neues zu erschaffen. Notizen mache ich mir nur selten. Wenn eine Idee wirklich Potenzial hat, bleibt sie in meinem Kopf präsent und entwickelt sich weiter. Ideen, die ich bereits am nächsten Tag wieder vergesse, verdienen es meist nicht, weiterverfolgt zu werden.

Auch meine Figuren entstehen aus einer Mischung von Beobachtung, Vorstellungskraft und Recherche. Grundsätzlich schreibt man über Dinge, die man kennt. Gleichzeitig muss man bereit sein, sich in Menschen hineinzudenken, deren Leben völlig anders verläuft als das eigene. Für die Figur des Dirigenten Victor Steinmann in „Pultstar“ konnte ich beispielsweise nicht auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Deshalb recherchierte ich intensiv, um seine Welt zu verstehen. Auf dieser Grundlage entwickelte ich die Figur Schritt für Schritt weiter und verlieh ihr eine eigene Persönlichkeit.

Zweifel gehören für mich zum Schreiben dazu. Allerdings zweifle ich weniger daran, ob eine Geschichte funktioniert, sondern eher daran, wie sie von den Leserinnen und Lesern aufgenommen wird. Auf die Qualität eines Romans kann ich selbst Einfluss nehmen, indem ich am Plot arbeite, Figuren weiterentwickle und lose Fäden zusammenführe. Die Reaktion des Publikums bleibt hingegen immer ein Stück weit unberechenbar. Interessanterweise empfinde ich die gedankliche Arbeit am Plot oft als spannender als das eigentliche Schreiben. Wenn eine Geschichte in meinem Kopf vollständig ausgereift ist, reizt mich häufig schon die nächste Idee. Dennoch muss die Geschichte dann noch niedergeschrieben werden – und genau darin besteht die eigentliche Arbeit.

Dass ich nicht vom Schreiben leben muss, empfinde ich als grossen Vorteil. Es nimmt Druck weg und gibt mir die Freiheit, die Themen zu wählen, die mich wirklich interessieren. Natürlich setze ich mir selbst Ziele und Fristen. Mein Anspruch ist es, ungefähr einen Roman pro Jahr zu veröffentlichen. Dennoch möchte ich nicht in die Situation geraten, vertraglich verpflichtet zu sein, mehrere Bücher pro Jahr abzuliefern. Ideen brauchen Zeit zum Reifen, und diese Freiheit möchte ich mir bewahren.

Ich bin überzeugt, dass Menschen Geschichten brauchen. Das zeigt sich nicht nur in der Literatur, sondern auch im Erfolg von Filmen, Serien und anderen Erzählformen. Geschichten ermöglichen es uns, ferne Welten zu bereisen, andere Perspektiven einzunehmen und Erfahrungen zu machen, die wir im wirklichen Leben niemals suchen würden. Deshalb glaube ich, dass die Sehnsucht nach Geschichten tief im Menschen verankert ist. Entscheidend ist dabei oft, ob Kinder schon früh mit Geschichten in Berührung kommen und Vorbilder erleben, die selbst lesen und erzählen.

Jungen Menschen, die schreiben möchten, würde ich deshalb vor allem einen Rat geben: Schreibt so, wie es euch gefällt, und lasst euch nicht von Regeln oder Normen einengen. Die Fantasie soll fliessen und sich entwickeln können. Das Handwerk, die Form und die Technik kann man später lernen. Wichtig ist zunächst, den Mut zu haben, die eigenen Geschichten zu erzählen.

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