Gedanken zu meiner Autorentätigkeit

(entnommen aus meiner Facebook-Seite )


Martin Geiser über ...

... das Schreiben

Sehr vieles wird in meinem Kopf vorbereitet, verworfen oder weitergesponnen. Ich bin kein Autor, der sich viele Notizen macht und ständig Moleskins mit sich rumschleppt. Das hat den Nachteil, dass das eine oder andere halt auch vergessen wird. Wenn ich mich an den PC setze, dann habe ich eine sehr konkrete Vorstellung von dem, was ich niederschreiben will. Während der Arbeit entstehen natürlich neue Gedanken, neue Prozesse. Die Figuren entwickeln manchmal ein Eigenleben, sodass ich wieder darüber reflektieren muss, bevor ich weiterschreibe.

Einen fest vorgelegten Ablauf, wie ich an einen neuen Roman rangehe, habe ich allerdings nicht. Die bisherigen drei Bücher sind ganz unterschiedlich entstanden. Ich habe keines in der Chronologie geschrieben, in der es zu guter Letzt erschienen ist. Der rote Faden war aber immer von Beginn weg klar. Im neuen Roman habe ich gar den Schlusssatz zuerst geschrieben und mich dann kontinuierlich an ihn herangearbeitet.

 

... den neuen Roman “Beethoven in Sneakers”

Das Buch erzählt von den Zwillingen Lars und Gregor. Die beiden waren sich in ihrer Kindheit und Jugendzeit sehr nahe, führen jetzt aber getrennte Leben ohne Kontakt zueinander. Lars ist ein leidenschaftlicher, rastloser und chaotischer Musiker (das Gegenstück zum Machtmenschen Victor Steinmann aus meinem ersten Roman “Pultstar”), und Gregor lebt in der Obdachlosenszene. Man ahnt, dass irgendein schicksalhaftes Ereignis in der Vergangenheit die beiden Brüder entzweit hat.

Der Roman beginnt damit, dass Lars eines Morgens in der psychiatrischen Klinik aufwacht und keine Ahnung hat, wie er hier gelandet ist. Gemeinsam mit dem Arzt Bengt Fleischhauer rollt er sein Leben wieder auf und dringt langsam zum schockierenden Geheimnis vor. Was ist einst mit Lars und Gregor geschehen - und werden sie sich wieder finden?

 

... die Dirigententrilogie

Am Anfang stand einfach der Wunsch, einen Roman über das aufregende Leben eines fiktiven Dirigenten zu schreiben, da es meines Wissens sehr wenige Erzählungen aus dem Umfeld der klassischen Musik gibt. Nachdem ich “Pultstar” beendet hatte, waren so viele neue Ideen zusammengekommen, die ich für das Buch nicht verwenden konnte, dass ich beschloss, eine Trilogie zu schreiben. In jedem Roman steht ein Dirigent im Mittelpunkt. Es hat aber auch noch andere Gemeinsamkeiten: Jeder Geschichte liegt ein Geheimnis zugrunde, das es zu erforschen gilt und an das ich den Leser hinführen will. Dazu habe ich in jedem Roman eine völlig andere Erzählstruktur mit verschiedenen Perspektiven und häufigen Zeitsprüngen gewählt, was für die Leser bestimmt eine Herausforderung bedeutet. Keines der drei Bücher ist also mit den anderen beiden vergleichbar. Jedes hat seine Eigenart und seine Besonderheiten.

 

... die Musik in den Romanen

“Für mich fängt die Musik dort an, wo das Wort aufhört”, sagte einst der finnische Komponist Jean Sibelius, und Frank Zappa legt noch einen drauf mit seinem berühmten Zitat “Writing about music is like dancing about architecture”.

Beides hat, so finde ich, seine Richtigkeit. Musik kann nur erlebt werden, und die gleiche Musik kann bei zwei verschiedenen Menschen völlig unterschiedliche Emotionen auslösen. Der Dirigent Sergiu Celibidache erzählte, das grösste Kompliment, das er einmal von einer Zuhörerin nach einem Konzert erhalten habe, sei der Satz “Es ist so!”

So kann ich in meinen Romanen also nicht die Musik als solche beschreiben, sondern die Wirkung, die sie auf meine Protagonisten auslöst. Ein Urteil darüber muss sich jeder selber dadurch bilden, dass er sich die Kompositionen anhört.

Und auch wenn keine pädagogischen Absicht dahintersteckt, so freut es mich natürlich enorm, wenn mir Leserinnen und Leser erzählen, dass sie wegen der Lektüre auf YouTube die erwähnten Musikstücke gesucht haben, weil “ich einfach mal hören wollte, wie das klingt.” Die Schwierigkeit beim Schreiben über Musik besteht darin, den Balanceakt zu schaffen, dass sowohl Kenner der Klassik wie auch Laien auf ihre Rechnung kommen. Klassische Musik ist für mich allgegenwärtig. Sie ist mein Lebenselixier und wird bestimmt auch in zukünftigen Büchern ihren Platz erhalten, wenn auch bestimmt nicht mehr so konzentriert wie in der Dirigenten-Trilogie.

 

... den Dirigenten Mario Venzago

Er taucht immer wieder bei Gesprächen über meine Bücher auf, weil ich ihm sehr viel zu verdanken habe. Mario ist eine sehr offene und neugierige Person, seine Freude und Begeisterungsfähigkeit ist ansteckend. Seine Leidenschaft für die Musik und die damit verbundene akribische Vorbereitung auf ein Konzert sind beeindruckend.

Unsere erste Begegnung in der Bellevue-Bar in Bern war für mich wegweisend, was meine Schreibarbeit betrifft. Ich habe durch ihn sehr viele Informationen über Dirigenten, aber auch enormen Zuspruch für meine Arbeit erhalten. Durch ihn habe ich auch gelernt, dass man sich für neue Ansätze und Interpretationen öffnen und nicht an festgefahrenen Ansichten festhalten sollte.

 

... das Veröffentlichen als Self-Publisher

Jede Absage eines Verlages oder einer Agentur bedeutet für mich eine grosse Enttäuschung, auch wenn ich insgeheim weiss, wie vernichtend klein die Chance ist, in ein Programm aufgenommen zu werden. Die Vertriebs- und PR-Arbeit abgenommen zu bekommen, würde selbstverständlich eine enorme Erleichterung für mich bedeuten, mir Sicherheit geben. Ich könnte mich auf die Kernarbeit, das Schreiben, konzentrieren.

So bin ich Autor, Mediengestalter, Designer, PR-Fachmann und Verleger in einem. Etwas viel neben einen hundertprozentigen Beruf ...

Doch die Verlagsarbeit bereitet mir grosse Freude. Das Layout des Buches entwerfen, das Cover gestalten, Flyer erstellen - da bin ich mein eigener Herr und Meister.

 

... die Zukunft

Nach der abgeschlossenen Dirigententrilogie, einem aufreibenden Projekt, das mich sehr gefordert hat, freue ich mich auf neue Herausforderungen. Während der Arbeit zu “Beethoven in Sneakers” sind mir viele neue Ideen zugeflogen, die ich allerdings zugunsten dieses Romans stetig hintenan gestellt habe.

Nun freue ich mich darauf, mich diesen Ideen zu widmen und in aller Ruhe daran zu arbeiten. Meine Schreib- und Fabulierlust ist noch keinesfalls gestillt. Ich werde mich nach wie vor nach der Arbeit an den Computer setzen und mich in meine Fantasiewelten vertiefen und versuche, sie den Lesern näher zu bringen.

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